ÜBER MICH

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Manifest

Sam Hunter ist ein in Berlin lebender Regisseur, Autor und Dramaturg, dessen Praxis auf körperlicher Forschung und kollektivem Entwickeln basiert. In seinen Arbeiten untersucht er, wie kollektiveNarrative zu persönlicher Überzeugung und schließlich zu kollektivem Handeln werden – wie die überlieferten Erzählungen darüber, wer wir sind, wer uns Unrecht getan hat und was wir schulden, die Art und Weise prägen, wie wir uns in der Welt bewegen. In der Zusammenarbeit mit Ensembles entwickelt er Text und Bewegung und inszeniert diese innerhalb der mythologischen Strukturen, in denen die Erzählungen ursprünglich verfasst wurden – Strukturen, die weiterhin prägen, was das zeitgenössische Material leisten und aussagen kann. Seine Arbeit folgt zwei Forschungssträngen: jüdisches Gedächtnis und Diaspora sowie die gesellschaftliche Wirkung von Mythologie.

Sein aktuelles Projekt „Die Roten Juden“ zeichnet jüdische Racheerzählungen von der Purimspiel-Tradition über die Vertreibungen des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart nach; eine Forschungsphase wurde 2023 durch ein TakeHeart-Stipendium des Fonds Darstellende Künste gefördert. Parallel dazu entwickelt er „Die Elvide“, eine Tetralogie über amerikanische Mythologie, deren Ankerpunkte Elvis Presley und der Replik der Parthenon in Nashville, Tennessee bilden. Das Projekt untersucht, wie eine Kultur historische Figuren zu Figuren der bürgerlichen Religion macht und was der Export der amerikanischen Pop-Kultur über das amerikanische Imperium und dessen Niedergang verrät. Die Vorrecherche wurde 2021 durch das STAR Artist-in-Residence-Programm unterstützt.

Seit 2025 ist er Mitbegründer von Notizen, einem Berliner Kollektiv zur regelmäßigen Entwicklung und Präsentation neuer Performance-Formate. Notizen hat Werke bei Expedition Metropolis und Brotfabrik präsentiert und bringt zweimal jährlich neue Aufführungen heraus.

Zu seinen jüngsten Berliner Produktionen zählen „Wandersterne“ nach Sholem Aleichem (Bühnenadaption und Text, gemeinsam mit der Dramaturgin Julie Paucker, Vagantenbühne 2021) und „Olympia! Olympia! Olympia!“ (Ensemble-Entwicklung, Theaterhaus Mitte 2019). Er unterrichtete Viewpoints und Ensemblekomposition sowie Schauspielgeschichte und klassische Texte an der BIMM University Berlin, am Cours Florent und an der ActorFactory.

Er kam 2017 als Bundeskanzlerstipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung nach Berlin und war als Gastwissenschaftler an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch tätig, wo er untersuchte, wie Förderstrukturen und Ensembleorganisation die Beziehungen des deutschen Theaters zu Künstlern und Publikum prägen. Die Studie wurde 2021 im American Theatre Magazine veröffentlicht.

Prägend für seine frühe Karriere war seine Tätigkeit als Gründungsmitglied der Hungry River Theater Company, einem experimentellen Kollektiv, das in der Mojave-Wüste neue Performances entwickelte. Er absolvierte seine Ausbildung an der UC San Diego